DREAMING  - Distanz und Nähe
Zeichnungen von Henriette Tomasi seit 15. März 2020

AUFBRUCH

Zeichnungen, Indian Ink auf Papier

T


 




"Der Aufbruch" inspirierte mich zu diesen Arbeiten. Erst dachte ich an Stein, an Fels der bricht, an etwas Festes, doch dann wurde durch einen Zufall das Geflatter zu einer „losen Zettelwirtschaft“, die neue Wege sucht. Zarte Zettelchen - hauchfein, wie Gedanken, Ideen - brechen aus. Festgefahrene Ansichten, Sturheiten und unflexible Denkweisen, aber in der Corona-zeit gerade auch Ängste - beginnen sich zu lösen und zu befreien. Sorgen, Balast wird abgeworfen. Spielerisches Tanzen feiner Zettelchen, wie Laub im Wind. Träumen."

Henriette Tomasi

 






Die grauen Fenster versteinert, vertrocknete Blumen, geschlossene Läden, seit Wochen nicht geöffnet, Laub klebt in Ecken, Winkeln, vor Türen in Haufen gefangen. In die einst rege begangenen Wege wippen lange Gräser, Unkraut blüht, kämpft sich in die Ritzen des Pflasters auf die Gasse zurück. Niemand, der es herausreißt. Vögel, sorgsam gefüttert vor Wochen, suchen verzweifelt nach Körnern dort – gelähmt der Mensch, der stets an sie dachte. Die Angst zieht durch die Gassen, wie der Wind, seine Post in Briefkästen legend, die Türen verriegelnd, die Fenster verrammelnd. Dass die Sonne den Frühling erwachen lässt, fast unbemerkt. Einsam klingelt ein Bote an Türen, verborgen wird ihm geöffnet, schnell wieder geschlossen, seine Schritte verhallen in öder Gasse. Der Gartenstuhl auf verlassener Gasse, unsicher mit erdigen Händen im trocken Staub die Stockrosen pflanzend, verschieben sich die wunderlichen Grenzen zwischen Traum und Realität.


Henriette Tomasi, 29. März 2020

 




 
 
 
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